Trojaner 96

Schutz vor
Scientology im Unternehmen
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Die Diskussion um
Scientology läuft auf vollen Touren: Filmboykotte ja oder nein?
Durch den Verfassungsschutz prüfen oder Scientology verbieten?
Schelte aus den USA richtig oder nicht? Politiker überbieten
sich in den tollsten Parolen, fordern gar Berufsverbote für
Scientologen.
Amerikanische
Politiker sind der Strategie von Scientology, sich als arme verfolgte
Minderheit in Deutschland darzustellen, auf den Leim gegangen. Es ist
schon ein Tollhaus: eine Organisation, die sich von den Zielen und
den Handlungsweisen als totalitär erwiesen hat, steckt sich
selbst in die Opferrolle und vergleicht sich mit den verfolgten Juden
des dritten Reiches. Allerdings: Das Sommerloch wurde von
aktionistischen ‘Sektenkritikern’ mißbraucht, die dem Kampf
gegen die Organisation mehr Schaden als Nutzen zugefügt haben.
Wann lernen die Hexenjäger unter den deutschen Kritikern
endlich, die TATEN der Organisation statt den haarsträubenden
GLAUBEN anzugreifen? Angriffspunkte gibt es mehr als genug.
Hoffentlich finden bald auch die seriösen Politiker/-innen
international den Weg in die Schlagzeilen. Dann kann der totalitäre
Charakter von Scientology noch mehr deutlich und damit die Strategie
„arme verfolgte Minderheit“ unwirksam gemacht werden.
Aber Sie, liebe
Leser, interessiert neben der politischen Diskussion wahrscheinlich
noch viel mehr, wie Sie sich vor Scientology bzw. WISE1,
der scientologischen Wirtschaftsorganisation, in ihrem Umfeld -
sprich Unternehmen oder Verband - schützen können. Gründe
dafür gibt es mehr als genug:
Scientology ist
ein totalitäres System, das den Zustand abschaffen will, daß
alle Menschen gleiche Rechte haben.
Scientology
implementiert bei WISE-Mitgliedsfirmen eine „Technologie“, die
selbst in den 50er Jahren schon ihre Macken aufwies. Ein paar
Stichworte:
Überbürokratisierung:
Einführen eines „Ethik-Offiziers“ zur Kontrolle der
Mitarbeiter
Management by
Statistics: Einführen des kurzfristigen Denkens (Statistiken
sind immer donnerstags fällig): Mit „hard sale“, einem
harten Vertriebsstil, werden Kunden über den Tisch gezogen:
zunächst wird der Umsatz angeheizt, aber langfristig die
Kunden-Zufriedenheit abgebaut.
weitestgehende
Kontrollbefugnis durch WISE
extrem
überteuerte monetäre Forderungen für
„Beratungs“leistungen“, Lizenzen (z. B. bis zu 18 % vom
Umsatz!), Seminare und Bücher
Schulungen für
die Mitarbeiter nach dem hubbard’schen Gedankengut, mit vielen
Elemente von Gehirnwäsche
ein autoritärer
Führungsstil, der die Motivation und Leistung Ihrer Mitarbeiter
mindert
Scientology
behandelt Mitarbeiter mit Methoden, die wir als unwürdig
empfinden; die Löhne liegen oft weit unter Tariflöhnen.
Die
Qualitätsmängel der angebotenen Waren und Dienstleistungen
sind erheblich, z.B. die Tests für Bewerber, und schaden Ihrem
Unternehmen.
Schutz vor
Scientology
Nun haben Sie
einige Gründe, Scientology für Ihr Unternehmen abzulehnen.
Sofort danach stellt sich aber die Frage: wie schütze ich mich
davor? Wie verhindere ich es, daß sich eine „Tarnfirma“,
die das Etikett von Scientology nicht ins Logo integriert hat, in
meinem Unternehmen Fuß faßt? Wie verhindere ich es, daß
scientologische Bewerber einen Vertrag bekommen, um dann ihr System
in meiner Firma ausbreiten zu können?
Distanzierung
bei externen Anbietern und Bewerbern
Ein vielfach
benutztes und bewährtes Mittel ist die schriftliche
Distanzierung, die Ursula Caberta, Leiterin der ‘Arbeitsstelle
Scientology' des Hamburger Senats, entwickelt hat:
Vertraglicher
Schutz
"Ich
erkläre hiermit, daß
1.ich bzw.
meine Firma nicht nach der Technologie von L. Ron Hubbard arbeiten,
2. weder ich
noch meine Mitarbeiter auf meine Veranlassung nach der Technologie
von L. Ron Hubbard geschult werden bzw. keine Kurse und/oder Seminare
nach der Technologie von L. Ron Hubbard besuchen,
3. ich die
Technologie von L. Ron Hubbard zur Führung eines Unternehmens
ablehne und
ich nicht
Mitglied der IAS = International Association of Scientologists bin."
Sollte sich
eine Aussage als unwahr herausstellen oder in Zukunft verletzt
werden, stellt dies einen wichtigen Grund zur fristlosen Kündigung
dieses Vertrages dar. Außerdem verpflichte ich mich für
diesen Fall zur Zahlung einer Vertragsstrafe in Höhe von DM
............
Die
Vertragsstrafe sollten Sie so hoch wie möglich ansetzen. Ein
Ansatzpunkt ergibt sich z.B. aus dem Auftragswert des letzten
Halbjahres, wenn es um einen Dienstleister geht. - Sofern es um die
Zusicherung einer einzelnen Person geht, z.B. Bewerber oder
Mitarbeiter des Unternehmens, können Sie die beiden ersten
Punkte entsprechend umformulieren und die Vertragsstrafe weglassen.
Worauf es
ankommt
In dieser
Absicherung ist das Stichwort 'Hubbard-Technologie' wesentlich.
Dieses kennzeichnet den Kern der scientologischen 'Erziehung'. Bisher
ist noch kein Fall bekannt, in dem ein Scientologe das Bekenntnis zu
dieser Technologie verleugnet. Mit folgender Versicherung würden
Sie sich selbst hereinlegen: "Ich bin nicht Mitglied von
Scientology" oder "Ich bin kein Scientologe".
Viele scientologisch geschulte Menschen können diese
Versicherung locker abgeben: Nach unserem Wissen stehen nur manche
Scientologen im formalen Status einer Mitgliedschaft bei
'Scientology'.
Nicht nur
Scientology
Allerdings müssen
wir auch einschränken: die Abgrenzung richtet sich
ausschließlich an die scientologische Variante der totalitären
Methoden von Psycho-Kulten. Scientology hat auf den Versuch der
Gehirnwäsche kein Monopol. Auch andere Systeme versuchen in
Firmen Fuß zu fassen. Wir registrieren zunehmend Gruppen, die
speziell auf die Wirtschaft zugeschnitten sind. Deren Auftritt
enthält keinerlei Religion. Sie akquirieren mit ansprechenden
Begriffen wie ‘Erfolg’ oder ‘Persönlichkeitsentwicklung’.
Qualität
prüfen statt Mitgliedschaft:
Qualität
ist das beste Rezept!
Das kritische
Beobachten greift bei Psycho-Kulten besser als juristische Formeln
und Schwarze Listen. Der Schutz für Ihre Firma liegt in klaren
Anforderungen an die Qualität von Leistungen. Diese können
Sie in den Unternehmensgrundsätzen, in den Qualitätshandbüchern
und in den Stellenbeschreibungen verankern. Und wieder gilt:
Ideologie, Philosophie und Weltanschauung können Sie getrost
ignorieren!
„Woran
erkenne ich ....?“
Qualitäts-Kriterien
machen es überflüssig, daß Sie erst ein
Sekten-Experte werden müssen, um zu prüfen, ob jemand zu
Ihrer Firma paßt. Nehmen wir z.B. einen Trainer, dessen
Seminare für Ihre Mitarbeiter interessant sein könnten.
Hierfür haben wir eine Reihe von Prüffragen formuliert,
deren Antworten Ihnen in den meisten Fällen helfen können,
über eine mögliche Zusammenarbeit zu entscheiden:
NEUN
PRÜFFRAGEN2
Werdegang:
Ausbildung? Mindestens dreijährige Erfahrung?
Referenzen:
Liegen nachprüfbare und seriöse Referenzen vor?
Scientology-Begriffe:
Wird benutzt: Dianetics? L. Ron Hubbard?
OCA-Test?
Aufdringlichkeit:
Ist die Akquisition anmaßend und vorwurfsvoll?
Vorbilder:
Welche Personen, Theorien und Konzepte werden als Orientierung
angegeben?
Euphorische
Empfehlung: Erhielten Sie von einer vertrauenswürdigen
Person eine überschwengliche Empfehlung?
Versprechungen:
Geht es um grundlegende Veränderungen in der Firma? Wird in
Aussicht gestellt, daß Ihre Mitarbeiter schlagartig anders
werden?
Menschenbild:
Klingt alles nach ‘gut’ und ‘böse’? Wird für
eine harte Gangart und für Drill geworben?
Verweigerter
Einblick: Werden Abläufe und Methoden erläutert? Wird
Ihnen der Besuch eines Seminartages gestattet?
Wie arbeiten
Sie mit Prüf-Fragen?
Isoliert
betrachtet, wirkt manche Frage vielleicht befremdlich. In der
Kombination erhalten die Punkte erst ihren Sinn! Je nachdem, wie
viele negative Antworten Sie erhalten, wird ein Verdacht erhärtet
oder entkräftet. Vertrauen Sie einfach Ihrem Gesamteindruck!
Welche
Konsequenzen ziehen Sie?
1. Bestätigter
Verdacht Eindeutige Antworten in Richtung: "Arbeitet ganz
offensichtlich mit Methoden, die wir ablehnen." Der Fall ist
klar: Sie gehen keine Geschäftsbeziehung ein bzw. lösen die
bestehende auf.
2. Unklare
Anworten Trotz vieler Fragen und Erkundigungen kommen Sie zu
keinem klaren Ergebnis: Um in dieser Situation einen Verdacht zu
entscheiden, sollten Sie Fachleute ansprechen.
3. Kein
Verdacht Sie finden nur minimale oder keine Verdachtsignale:
Seien Sie fair und überwinden Sie das distanzierte Gefühl
gegenüber der geprüften Person. Es wäre eine fatale
Konsequenz, wenn Menschen wie Täter behandelt werden, nur weil
sie 'überprüft' wurden!
Wie gehen Sie
vor und wer hilft Ihnen?
Wenn offene
Fragen bleiben: An wen können Sie sich wenden? Es gibt
mittlerweile eine Vielzahl von Anti-Sekten-Beratern: am stärksten
verbreitet und am meisten erfahren sind die kirchlichen Berater.
Sollte Ihr Problem nicht ausreichend ernst genommen werden, versuchen
Sie es in einer anderen Stadt - fragen Sie sich durch. Daneben gibt
es staatliche Stellen. Nutzen Sie auch diese Möglichkeit. Fragen
Sie evtl. auch private Vereine und Selbsthilfegruppen. Lesen Sie
Informationen, die auf dem Buchmarkt erhältlich sind. Verbände,
andere Firmen sowie Industrie- und Handelskammern können oft
nützlich sein. Zumindest besteht die Chance, daß Sie auf
jemanden stoßen, der jemanden kennt, der jemanden kennt.....Und
wenn Sie jetzt feststellen, daß es sich wirklich um gefährliche
Methoden handelt? Suchen Sie vorsichtig Verbündete im engsten
Kreis. Entwickeln Sie eine Strategie!
Manchmal läßt
sich ein internes Problem relativ einfach arbeitsrechtlich
lösen: Nach der Gehirnwäsche in einem Psycho-Kult lassen
sich Mitarbeiter oft auf Dinge ein, die außerhalb der Legalität
liegen und z.B. den Betriebsfrieden stören. - Wichtig: Ihre
Lösung muß sich einen Verstoß gegen geltendes Recht
beziehen, also auf TATEN. Der ‘GLAUBE’ an einen nicht-verbotenen
Psycho-Kult ist keine ausreichende Begründung, um eine
Zusammenarbeit zu beenden.
Bei Externen
ist eine Vertragslösung oft leichter und bedarf nur bei
vorzeitiger Kündigung einer Begründung. Aber auch diese muß
sich am falschen Handeln des Vertragspartner orientieren, und auf
keinen Fall an seinem Glauben!
Freuen Sie sich,
wenn Ihnen das Thema ‘Sekten und Psycho-Kulte’ bisher erspart
blieb. Damit es so bleibt, ist es sinnvoll, das Thema im Betrieb
vorbeugend anzugehen, z.B. durch Vorträge oder betriebsinterne
Publikationen. Das ist ohne Konfliktstoff, so lange kein ‘Fall’
aufgetreten ist.
Literatur:
Angelika Christ &
Steven Goldner:
"Scientology
im Management“,
Econ-Verlag,
Düsseldorf, 1996.
veröffentlicht
in Trojaner, Februar 1997
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